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Mangel, Realität, Mystik, Technik, Moral, Prinzipien
Ein amerikanischer Moralphilosoph soll auf die Frage, wie er sich
über Moral äußern könne, wo er doch so unmoralisch lebe, geantwortet haben:
„Haben Sie schon einmal einen Wegweiser gesehen, der auch in die Richtung
geht, in die er zeigt?“
Es scheint mir an dieser stelle angebracht, zu erwähnen, dass
Moral, die Regeln sind, die uns von der Gesellschaft aufgezwungen werden und
Prinzipien die, die jeder für sich selbst und in sich selbst verfasst.
In New York gibt es tausend Regeln und Gesetze. Angefangen bei
Regeln im Lift, Haus, Park, Verkehr, Büro und so weiter ist alles
ordnungsgemäß geregelt. Unser Leben würde wahrscheinlich nicht mehr
funktionieren, würden wir sie alle einhalten. Aber wenn der Mensch noch
erwachsener wird, lassen sich diese vielleicht in Hinweise umwandeln. In
diesen großen Städten sind wir also Meister geworden, diese Hindernisse wie
im Slalomlauf zu umgehen.
In ländlichen Gegenden, wie zum Beispiel zwischen Mississippi und
Missouri dagegen, in denen, wenn überhaupt, nur Kleinstädte existieren, leben
sehr viele Leute in Einsiedlerhöfen und treten sich nur in den Kneipen
gegenseitig auf die Füße. Genau dort, wo man sich einen Haufen Regeln und
Gesetze eigentlich sparen könnte, weil man sowieso keinen stören würde, sind
die Leute noch religiöser und moralischer. Als ob in ländlichen Gegenden, in
der Einsamkeit eine Art Mangel an Regeln und Moral empfunden würde. Die Frage
ist nur, warum die Leute etwas, was ihnen Nutzen bringt, aber deren Funktion
sie nicht immer verstehen, mit etwas Anderem vertauschen, was ihnen keinen
Nutzen bringt und sie auch nicht verstehen.
Nun, das gleiche scheint, für die Mystik zu gelten. Nachdem zum
Beispiel das 19. Jahrhundert, als Auswirkung der Aufklärung, großartige
technische Neuerungen hervorgebracht hatte, schrieben Mary Shelley
„Frankenstein (veröffentlicht 1818)“ und Robert Louis Stevenson „Mr Jekyll
and Mr Hyde (veröffentlicht 1886)“, die unter der Bezeichnung „Gothic Novels“
laufen.
Und heute? In einer Zeit, in der auch das „Auf die Toilette
gehen“ schon automatisiert und technisiert ist, in der ein Leben ohne Technik
völlig unmöglich scheint, wird Esoterik und esoterische Literatur immer
beliebter. Wahrscheinlich wissen die meisten Anhänger dieser Richtung
überhaupt nicht, woher dieses Wort kommt, oder was es bedeutet. Es kommt aus
dem Altgriechischen und wurde zum Beispiel von Gotthold Ephraim Lessing in
seiner „Hamburgischen Dramaturgie“ für Leute angewandt, die in die
Geschehnisse der Theaterwelt eingeweiht waren, die anderen waren für ihn die
Exoteriker, oder Außenstehenden.
Esoterik hat sehr oft auch ein politisches Gesicht. Die letzten,
nationalistischen Wellen laufen durch Europa, mit Schamanen, die 2012 im
ungarischen Parlament um die dort ausgestellte „Heilige Königskrone“ tanzten.
Eine ländliche Gegend mit vielen Einsiedlerhöfen und einem Dorf
mit einer Kirche, einer Kneipe und hauptsächlich älteren Bewohnern, weil die
jüngeren fast ausnahmslos in die Stadt abgewandert sind. Es wird viel über
die Jugend, Juden, Zigeuner, Einwanderer, Stadtbewohner und so weiter
gesprochen. Jeder Neuankömmling, jedes neue Geräusch, selbst neue Tiere
werden misstrauisch aber auch mit Neugier von der Seite betrachtet. Das Neue
soll nicht bemerken, dass es Interesse erweckt hat. In einer geschlossenen
Gesellschaft entsteht unausweichlich ein Mangel an Abwechslung.
Der Wecker klingelt, das Licht im Badezimmer schaltet sich
automatisch ein, sobald jemand eintritt. Währenddessen die Kaffeemaschine und
der Toaster ihren Funktionen nachkommen. Nur waschen und anziehen müssen wir
uns noch selbst. Wir fahren mit dem Lift in die Garage, das Tor öffnet sich
durch Fernbedienung, das GPS zeigt uns, auf welchen Weg es keine Staus,
Straßenarbeiten oder andere Behinderungen gibt. Die Tier zum Büro öffnet sich
durch den Kontakt der Eintrittskarte mit dem Laserableser. Der eingeschaltete
Computer informiert über die bevorstehende Arbeit. Wie gut ist es, am Abend
ein esoterisches Buch zu lesen.
Amsterdam, das europäische Symbol für Drogentourismus, innerhalb
dieser Stadt der rote Bezirk mit seinen Coffee-shops, in denen Haschisch
legal vertrieben wird. Der größte Teil der Gäste sind Ausländer, die mit
einem zufriedenen Lächeln eine Limonade trinken, nachdem sie ein paar
Haschischzigaretten geraucht haben.
Skandinavische Touristen in zum Beispiel Estland. Teilweise
betrunken bis zur Ohnmacht. Eigentlich sehen sie von ihrem Zielland nicht
viel, weil die Reise- und Getränkekosten noch immer niedriger sind, als ein
Abend in einer schwedischen Kneipe.
Al Capone, der legendäre Mafioso-Chef wurde reich, weil er davon
profitierte, dass Alkohol in den dreißiger Jahren in den U.S.A. verboten war.
Ein Besucher in Marokko hat seinem Gastgeber eine Flasche Schnaps
oder Branntwein mitgebracht und weiß, dass der Marokkaner jetzt ein paar
Stunden unbrauchbar sein wird, weil jener nämlich die Flasche sofort bis zum
letzten Tropfen leert.
Nicht nur die heutige Presse beschäftigt sich mit kirchlichen
Institutionen, in denen Minderjährige sexuell missbraucht wurden und
wahrscheinlich werden, wobei die Übeltäter der weltlichen Gerichtsbarkeit
nicht überstellt werden. Auch klassische Schriften erzählen davon, dass sich
ein älterer Priester oder eine ältere Priesterin in ein jüngeres Mitglied der
ihm oder ihr anvertrauten Kinderschar verliebt hat. Ein puritaner Verein
gebärt zwangsläufig Perversitäten.
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Mangel, Realität, Mystik, Technik, Moral, Prinzipien
Mittwoch, 6. Mai 2015
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